Papst zurückgetreten!

Maßnahme: Küng anrufen.

(Frei nach Fritz J. Raddatz)
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Betreutes Denken

Einige Auskünfte zur Frage, welchen Zwecken wissenschaftliche Arbeiten heute dienen.*

1. Eine wissenschaftliche Arbeit hat »wissenschaftlichen Standards« zu genügen. Dazu gehört zwingend, daß ein Wissenschaftler bei der Publikation seiner Denkergebnisse penibel genau verzeichnet, »auf welche Forschungsergebnisse anderer Wissenschaftler er sich beruft (Zitation) und welche (neuen) Aspekte von ihm sind.« (Quelle)

Wissenschaftliche Standards bestehen also bezeichnenderweise eben genau nicht aus der einzigen sachgerechten Frage, die sich ein Gedanke gefallen lassen muß, wenn er als wissenschaftlich gelten können soll — nämlich der, ob er stimmt oder nicht — sondern aus nichts anderem als endlich wieder gelten sollendem Rechtsschutz zugunsten des Eigentümers der Gedanken, dem man gefälligst Respekt erweisen muß, indem man ihn unter Nennung seines Namens richtig zitiert, d. h. ausdrücklich kenntlich macht, daß auf dem Gedanken, den man gerade äußert, fremde Rechte liegen, die ihren Inhaber mit dem Privileg ausstatten, seinen Namen dauerhaft mit einem allgemeinen Produkt des menschlichen Verstandes zu beschweren.

2. Von zu Guttenberg über Koch-Mehrin bis zu Schavan: Keine einzige Dissertation wurde deswegen gekippt, weil sich etwa jemand mal ausnahmsweise genau angesehen hätte, ob die vorgetragenen Gedanken und die Schlüsse sachlich, also auf den Erkenntnisgegenstand bezogen, richtig, triftig und schlüssig gewesen sind oder nicht. Das einzige, was die Gemüter von sowohl hochmögenden Magnifizenzen als auch Laien-Kopflangern bewogen hat, war die nur je getreue Beachtung des gedanklichen Privateigentums der Erstdenker durch die Nachdenker, also der Respekt vor den herrschend gemachten akademischen Denksitten, nach denen der universitäre »Wissenschaftsbetrieb« schon längst in der Hauptsache organisiert ist.

3. Der Zweck wissenschaftlicher Arbeiten ist: Compliance. Sie sind gar nicht Ausweis von richtigem Denken und Fortschritt in der Erkenntnis, sondern Schlüssel für diejenigen Türen, die den Zugang zu einer erlauchten gesellschaftlichen Gruppe eröffnen, zu der der Zugang nicht ohne Grund beschränkt ist, weil sie maßgeblich über die Reproduktion der gesellschaftlichen Verhältnisse entscheidet und ihre Funktion die Selektion des dafür geeigneten und willigen Herrschaftspersonals ist: Akademiker ist, wer die Welt verwaltet, die von denen produziert wird, die es nicht auf die Akademie geschafft haben.

4. Ohne gewissenhafte Zuordnung der Gedanken zu entsprechenden Autoritäten sowie ohne Kotau vor dem Urteil der ‘scientific community’, wie diese Autoritäten und ihre jeweiligen Meinungen zu gewichten seien, ist es der Wissenschaftlergemeinde völlig unmöglich, festzustellen, ob etwas den Anforderungen der Wissenschaftlichkeit entspricht oder nicht. Der Maßstab dieser Compliance ist demnach der Rechtsstandpunkt. Dieser hat mit der vorgetragenen Erkenntnis selbst rein gar nichts zu tun, ist aber als formale conditio sine qua non die Hauptsache: Wenn die Formalia eingehalten worden sind, dann rücken die Sachfragen überhaupt erst in den Blick.


*) Es handelt sich hier um einen redaktionell aufs Wesentliche gekürzten Artikel von mir aus dem Jahr 2011.
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Umgefragt

Von wem stammt folgender Satz?

Die Deutschen haben diesen Mann nicht zum Diktator gemacht. Es war Hindenburg auf Drängen der deutschen Monopolbourgeoisie.

a) Stalin
b) Dimitroff
c) Bulganin
d) Kommentator Luggi in »Freitag Online«

Teilnahmebedingungen: Ja.
Einsendeschluß: Vermutlich.
Zu gewinnen gibt es meinen 69er Triumph TR5 PI (Dunkelblau, graues Leder, Linkslenker).
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Zum Begriff des Politischen

KING ARTHUR: I am your king!
A WOMAN: Well, I didn’t vote for you.
ARTHUR: You don’t vote for kings.
WOMAN: Well, ‘ow did you become king then?
ARTHUR: The Lady of the Lake, her arm clad in the purest shimmering samite, held aloft Excalibur from the bosom of the water signifying by Divine Providence that I,
Arthur, was to carry Excalibur.
That is why I am your king!
DENNIS THE PEASANT: Listen, strange women lying in ponds distributin’ swords is no basis for a system of government. Supreme executive power derives from a mandate from the masses, not from some farcical aquatic ceremony!
ARTHUR: Be quiet!
DENNIS: Well you can’t expect to wield supreme executive power just ’cause some watery tart threw a sword at you!
ARTHUR: Shut up!
DENNIS: I mean, if I went around sayin’ I was an empereror just because some moistened bint had lobbed a scimitar at me they’d put me away!
ARTHUR: Shut up! Will you shut up!
DENNIS: Ah, now we see the violence inherent in the system!
ARTHUR: Shut up!
DENNIS: Oh! People, come and see the violence inherent in the system! HELP! HELP! I’m being repressed!
ARTHUR: Bloody peasant!
DENNIS: Oh, what a give away. Did you hear that, did you hear that, eh? That’s what I’m on about — did you see him repressing me? You saw it, didn’t you?

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Presse-Ciao 2012

R. I. P.:
29. September: »Abendzeitung«, Nürnberg
13. November: »Frankfurter Rundschau«
7. Dezember: »Financial Times Deutschland«

Morituri:
Seit ca. 1978: »taz«, Berlin
Seit 1990: »junge Welt«, Berlin
Seit 12. Dezember: »Der Freitag«, Berlin

Noch da:
330 Zeitungsverlage
130 Vollredaktionen
1500 lokale Zeitungsausgaben

Aus Solidarität mit den Sparbemühungen in Berliner Redaktionsstuben habe ich mich dazu entschlossen, ab jetzt meinen C 63 AMG nur noch mit Biosprit zu betanken.

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Immer die Schweizer!

Seit geraumer Zeit schon paßt Albrecht Müller — Godfather, Godson & Holy Spirit der berühmten »NachDenkSeiten« — ganz und gar nicht, wie eifersüchtig die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel den deutschen Staatsschatz bewacht.

Daß Merkel den Nibelungenhort nicht einfach friedlich-schiedlich mit den arg in pekuniäre Bedrängnis geratenen Griechen teilt, sonden in denen vielmehr faulenzende Salzwasserpapagallos erkennt, die die mühsam zusammengepreßten Steuereuronen aus Germanien gar nicht wert sind, ist für Müller schlicht unbegreiflich, weshalb er ihr schon mehrfach mit dem vollen Gewicht seiner einschlägigen ökonomischen Expertise die Rute ins Fenster gestellt hat.

Müller hat nämlich schon vor Jahren die Spitze seines Sachverstandes aufgeboten und herausgefunden, daß das arbeitsscheue, sozialschädliche Gesindel gar nicht die Griechen sind, sondern deutsche Millionäre, die Jahr für Jahr erkleckliche Sümmchen am Fiskus vorbei in sogenannte »Steueroasen« schleusen; insbesondere in die Schweiz, seit jeher ein Auffangbecken für alles, was aus Deutschland irgend flüchten muß. Dabei stört sich Müller — der ansonsten ein sehr empfindliches, schnell vernupftes moralisches Näschen besitzt — keineswegs an dem Umstand, daß hier wie da, bei ihm nicht anders als bei Merkel, Menschen rein nach ihrer ökonomischen Nützlichkeit durch- und bei Bedarf eben ausgemustert werden. Nicht die Methode, sondern das Resultat solcher Musterung hält er für grundverkehrt.

Nun ist Albrecht Müller aber andererseits auch ein Intellektueller von einigem Rang und also viel zu distinguiert, um herumzutoben. Stattdessen läßt er toben.

Beispielsweise einen gewissen Werner Doralt, seines Zeichens em. Professor am Institut für Finanzrecht an der Universität Wien. Der hat in einer recht abgelegenen Sendung des Österreichischen Rundfunks dieser Tage Tacheles geredet, was wiederum Müller nun zum Anlaß für eine erneute Philippica nimmt:
»Endlich sagt das mal einer: Die hinterzogenen Steuern auf die Zinserträge sind nur die Spitze der Eisberge „Steueroase“ und „Schwarzgeld“«

Das klingt dann so:

Der Professor fährt in dieser Passage einen Angriff auf die Schweiz, der an Deutlichkeit nichts vermissen lässt: Die Schweiz habe sich jahrzehntelang am Steueraufkommen fremder Volkswirtschaften vergriffen. Sie habe eine blühende Volkswirtschaft auf Kosten anderer Volkswirtschaften aufgebaut.

Eine »blühende Volkswirtschaft auf Kosten anderer Volkswirtschaften« aufzubauen, sich an »fremden Volkswirtschaften« zu »vergreifen« und das auch noch »jahrzehntelang« — das darf ja wohl nicht wahr sein, wo hätte es denn derlei Unverschämtheit schon gegeben?

… selbstverständlich in sämtlichen Gegenden dieser Erde, die über das Stadium bloß lokaler, höchstens kommunaler Selbstversorgung hinaus in den Weltmarkt integriert sind, denn genau dies: Zugriff auf fremden Nationalreichtum bei gleichzeitiger Verhinderung fremden Zugriffs auf den einheimischen Nationalreichtum ist die Verlaufsform der kapitalistischen Konkurrenz auf der Ebene der Staaten. Genauso versteht es sich aber von selbst, daß Leute wie Müller und der Herr Emeritus aus Wien sich darüber kein Zeugnis legen dürfen, da sie ansonsten früher oder später unweigerlich darauf kämen, wie sehr sie selbst mit ihrer wohlfeilen Empörungs- und Panikregie dienstbarer Teil eben dieser Konkurrenz sind.

In der »Anlage 2« zu seiner Notiz schreibt Müller:

Ich erinnere in diesem Zusammenhang noch an die Affäre Zumwinkel. Damals hat die deutsche Öffentlichkeit sich vor allem bei der Steuerhinterziehung aufgehalten. Uns hat auf den NachDenkSeiten damals schon auch interessiert, woher die großen Finanzen kommen, die zu einem Zinsgewinn geführt haben, der wiederum eine Steuerhinterziehung von knapp 1 Million ausgelöst hat.

Albrecht Müller und die NachDenkSeiten haben sich mit keiner Zeile jemals dazu eingelassen, »woher die großen Finanzen kommen«, denn sie haben sich schon immer lieber mit phänomenalen Lappalien wie Steuersätzen und Schwarzgeld aufgehalten statt mit Herrschaft und Ausbeutung.

 

Wo wir nun aber schon bei der causa Zumwinkel angelangt sind, erlaube ich mir, einen etwas älteren Kommentar von mir aus der fraglichen Zeit aus dem Archiv zu holen, den ich nachfolgend nur unwesentlich gekürzt wiedergebe:

»Chronik eines angekündigten Überfalls
oder: wie die imperialistische Krisenkonkurrenz einen auswärtigen Kapitalstandort gleichzeitig als solchen erhält und trockenlegt, ohne einen Schuss abzugeben.

1.
Das aktuelle Vorgehen der schweizerischen Behörden hat hat genau wie seine Ursache, nämlich der Ankauf und die Verwertung der ominösen Steuerdaten-CD durch die deutschen Behörden, einen Grund. Dieser Grund heißt: imperialistische Krisenkonkurrenz.

Während sich auf der Oberfläche alles um die Frage dreht, ob ein paar deutsche Steuerhinterzieher ihren aber schon ganz redlich und überhaupt nicht rechtswidrig zustandegekommenen Ausbeutungsertrag — der als solcher, als Ergebnis der kompensationslosen Aneignung fremden Arbeitsprodukts, bezeichnenderweise erst gar keinen mehr stört — mit dem deutschen Fiskus teilen müssen oder nicht, ist die Schweiz längst und nicht erst seit den jüngsten deutschen Erpressungsversuchen prinzipiell angegriffen worden.

Wie jeder weiß, verfügt die Schweiz abgesehen von ein paar Brause-, Schoki- und Chronometermanufakturen über keine nennenswerte industrielle Basis, die den Anforderungen eines vollgültigen Kapitalstandorts genügen würde. Der sagenhafte Reichtum der Schweiz basiert vielmehr auf ihrer Rolle sowohl als anerkannter Treuhänder internationaler Geldströme als auch »Weltsparkasse«, die dem Finanzkapital mit dem Schweizer Franken eine stabile Reservewährung zur Verfügung stellt, der wiederum den schweizerischen Nationalkredit, ohne den kein noch so schönes und entwickeltes erzrepublikanisches Gemeinwesen auskommt, umso bombenfester machte.

Und darauf — auf eben diese ökonomische Basis — wird gerade scharf geschossen, vom großen Rivalen Deutschland im besonderen, denn all die schönen Taler des Weltkredits (und zwar nicht nur die steuerflüchtigen, sondern langfristig auch alle anderen) sollen gefälligst ihren Weg künftig nicht nach Genf, Lausanne und Zürich, sondern nach Berlin, Frankfurt und (…) Lüdenscheid nehmen. Damit sie ihn auch ja finden, steht die deutsche Staatsgewalt Gewehr bei Fuß und macht sich daran, einen ziemlich lästigen Konkurrenten in Sachen Geldvermehrung los zu werden, denn immerhin ist gerade Krise und die Repatriierung der avisierten Milliardensummen dringend nötig. (…)

2.
Woher die reichen Sünder ihren Reichtum haben interessiert erst gar nicht. Der »Steuerbürger« ist die begriffliche Suspension des Klassengegensatzes: Wenn schon sonst nirgends, so soll doch immerhin beim Zugriff des Finanzministers allgemeine Gleichheit herrschen. »Wir alle«, spricht man, stehen schließlich in der Pflicht, das supertollste Deutschland aller Zeiten zu finanzieren, denn schließlich fallen Kitas, Unis, Autobahnen, Golfplätze, Spürpanzer, Schlagstöcke und alle anderen unbedingt notwendigen nützlichen Dinge des täglichen Staatsbürgerbedarfs nicht vom Himmel.

»Nothing’s sure but death and taxes« — deshalb schuldet jeder Bürger der über ihm stehenden Gewalt mindestens die Steuer, was umgekehrt bedeutet, daß notorische Steuerverweigerer gar keine Bürger sein können und zur Not aus der Nation hinausfliegen sollen, was nebenbei auch die Liebe des Artikelautors zu den rabiaten US-amerikanischen Gepflogenheiten erklärt und auch, weshalb Steuerhinterzieher immer kurz vor der Expatriierung stehen. (…)

So aber kommen wenigstens Recht und Moral doch noch zur Deckung, wenigstens im Innern der Nation — und darauf kommt es schließlich an, denn ohne deren dauerhafte Dienstbarkeit gäbe es schließlich weder Regierungen noch Menschen, die so reich sind, daß sie überhaupt Steuern hinterziehen können.

Was für ein großartiger Erfolg für den Standort Deutschland!«

 

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